Dienstag, 23. Januar 2018

#JAPANUARY: The Tale of Zatoichi Continues {1962}


Durch dem großen Erfolg von "The Tale of Zatoichi" ließ es sich Studio Daiei nicht zweimal sagen einen würdigen Nachfolger des ersten Films nachzuschicken. So wurde "The Tale of Zatoichi Continues" noch im selben Jahr wie Teil 1, diesmal unter der Regie von Kazuo Mori, fertiggestellt und in den japanischen Kinos veröffentlicht.

Ein Jahr nach den Ereignissen des Vorgängers zieht die Handlung unseren Protagonisten wieder nach Iioka zurück, wo Zatoichi das Grab von Hirate besuchen möchte, um seinem verstorbenen Freund Respekt zu zollen. Während Ichi einen Auftrag als Masseur annimmt, wird er ungewollt Zeuge vom geistigen Zustand seines Auftraggebers, der unglücklicherweise der Kopf einer Yakuza-Gang ist. Zatoichi als einziger Zeuge soll von den Untergebenen des verwirrten Bandenchefs beseitigt werden, damit die unerwünschten Informationen nicht nach außen gelangen.

Im Gegensatz zum gemächlichem Erzähltempo des ersten Teils geht es in "The Tale of Zatoichi Continues" sofort zur Sache. Bereits nach wenigen Minuten im Film bekommen wir die erste Action-Szene gezeigt, in denen Schauspieler Shintaro Katsu wieder durch seine Performance mit der im Blindenstock versteckten Klinge glänzt. Die Choreografie der Kämpfe ist teilweise so schnell und chaotisch, dass man sich verleitet fühlt die Szenen nochmal auf halber Geschwindigkeit abzuspielen, um auch jede Bewegung mitzubekommen. Immer wenn Zatoichi sein Schwert blitzschnell zieht, glaubt man tatsächlich, dass Shintaro Katsu die Kunst des Iaido meisterhaft beherrscht.

Das zügige pacing hat zur Folge, dass es weniger ruhige Szenen gibt als im Vorgänger-Film. Auch die Kamera war in Teil 1 immer recht intim mit Zatoichi, wo wir das fehlende Sehvermögen unserer Hauptfigur förmlich fühlen konnten. Das war vor allem dadurch spürbar, da die Linse in vielen Szenen nur auf Zatoichi fokussiert war, und sprechende Figuren im Hintergrund nur in der Unschärfe zu erkennen waren. Die action-orientiertere Kamera aus "The Tale of Zatoichi Continues" steht dem Film aber gut zu Gesicht und macht auch deutlich, dass man für diesen Film den Kameramann gewechselt hatte.

In dem Wissen, dass sicherlich Zatoichi als Figur für den Erfolg des ersten Films verantwortlich war, und nicht etwa die Handlung, hat sich der Drehbuchautor ganz klar auf die Entwicklung des Protagonisten fokussiert.

Wir erfahren nicht nur mehr über Zatoichis vergangenheit, sondern bekommen auch ganz neue Facetten seines Charakters zu spüren, die einen besonders im Kontext des fatalistischen Endes ordentlich schlucken lassen. An vielen Stellen fällt unser Protagonist Entscheidungen, wie wir sie nicht von ihm erwartet hätten. Die romantische Beziehung von Ichi zu einer Geisha wirkt im Film teilweise etwas unglaubwürdig, bzw. lässt vermuten, dass dies ein Gimmick der Serie wird. Im Jahre 1962 war dies eine nachvollziehbare Entscheidung, wenn man über den Erfolg des im selben Jahr erschienenen "Dr. No" der James-Bond-Reihe nachdenkt (mit ebenso unglaubwürdigen Gespielinnen von Sean Connery).

Als Gegenstück zur Handlung des ersten Teils steht im Mittelpunkt des Films ganz klar die Rivalität zwischen Zatoichi und einem neuen Krieger (Tomisaburo Wakayama, "Lone Wolf & Cub"), über dessen Identität wir im Laufe der Handlung mehr erfahren. Während Zatoichi in Teil 1 als ehrenwerter Krieger vom Schlachtfeld zieht, wird er uns hier erstmals als tragische Figur offenbart.

Durch all die neuen Charakterzüge Zatoichis erhält die Reihe noch mehr an Tiefe und sollte jetzt auch solche Menschen hinter dem Ofen hervorlocken, denen die oftmals simple Figurenzeichnung von Genre-Filmen zu wenig ist.

Mit dem Finale des Films endet auch die letzte Produktion der Reihe, die auf monochromen Filmmaterial gedreht wurde. In "New Tale of Zatoichi" geht es dann wesentlich farbenfroher weiter (wovon vermutlich auch das Design der Criterion Blu-Ray Box inspiert ist).

Sonntag, 21. Januar 2018

#JAPANUARY: Zigeunerwaisen {1980} & Kagero-za {1981}


Der #JAPANUARY geht weiter! Es ist gar nicht so einfach über Seijun Suzukis Taisho-Trilogie zu sprechen, wenn man die Filme nicht gerade im historischen Kontext von Japans Taisho-Ära (1912-26) bespricht, oder zumindest versucht die teils verwirrende Handlung in eine ordentliche Reihenfolge zu bringen. Richtig? Falsch! Denn auch so hat "Zigeunerweisen" und "Kagero-za" genug fantastische Szenen wie aus dem Delirium zu bieten, damit man sich das Köpfchen über das eben gesehene Spektakel zerbrechen kann. 

Zusammen mit Taisho-Aficionado Jan Lukas sprechen Michael und ich über die beiden Titel aus Suzukis Spätwerk. Ein wenig geschichtlichen Hintergrund zur Taisho-Zeit gibt es dann also doch noch. Viel Spaß!

Donnerstag, 11. Januar 2018

#JAPANUARY: The Tale of Zatoichi {1962}


Gestatten, Zatō-no-Ichi. 

Bedeutung: Blinde Person von niederem Rang, Ichi.

Kurz: Zatōichi

Besondere Fähigkeiten:

- Meister mit dem Schwert
- Ausserordentlich gutes Gehör
- Ausgeprägte, räumliche Orientierung
- Scharfsinnige Beobachtungsgabe
- Starke Konzentrationsfähigkeit
- Professioneller Masseur
- Spieler
- Yakuza auf Teilzeitbasis
- Meister des Shogi
- Erfahren im Nahkampf
- Geübter Sumo Wrestler
- Bogenschütze
- Spieler des Shamisen

Mit diesen fast superheldmäßigen Eigenschaften, welche Zatoichis Person beschreiben sollen, startet Teil 1 der 26-teiligen Filmreihe.

Unter der Regie von Kenji Misumi begleiten wir in "The Tale of Zatoichi" den blinden Masseur durch eine Geschichte, wie sie ein Jahr vor Erscheinung des Films, in Akira Kurosawas "Yojimbo" ähnlich erzählt wurde. Der Boss einer ansässigen Yakuza-Gang braucht einen fähigen Schwertkämpfer um sich gegen die rivalisierende Bande zur Wehr setzen zu können. Wie gut, dass der kauzige Vagabund Zatoichi gerade vor Ort ist, der sich gegen Bezahlung der Sache annimmt und ganz nebenbei noch den Ruf als "Meister der Klinge" genießt. Beim Angeln trifft Zatoichi den schweigsamen Hirate, für den er große Sympathie empfindet. Ein Dilemma wartet um die Ecke als Zatoichi erfährt, dass er seinem neuen Freund schon bald im Kampf gegenüberstehen wird.

Bereits nach 30 Minuten im Film merkt man The Tale of Zatoichi deutlich seinen Charakter als erster Teil einer Filmreihe an. Auf Handlungsebene passiert nicht viel, dafür wird uns der von Shintaro Katsu gespielte Zatoichi als Figur näher gebracht, indem wir ihm dabei zusehen dürfen wie er auf seine Mitmenschen reagiert. Hier funktioniert die Kamera, welche immer nah an den Figuren bleibt als guter Beobachter, denn nur so bekommen wir die feine Mimik des Schauspielers vollends mit, die uns den Protagonisten als bescheiden und zurückhaltend beschreibt. Wer hat schon Lust als blinde Person im feudalen Japan großartig anzuecken? Blinde Männer schlossen sich in der Regel der "Tōdōza" - einer Gilde für blinde Männer - an, die dem Beruf des umherziehenden Musikanten, des Akupunkteurs oder Masseurs nachgingen. Besonders Letzteres trifft auch auf unseren Helden/Antihelden zu, der wie im Booklet zur Filmreihe beschrieben, wohl noch 100 weitere Fähigkeiten besitzt, was hier im Film aber noch nicht deutlich wird. Neben den seltenen Momenten, in denen unsere Hauptfigur zu der im Blindenstock versteckten Klinge greifen muss, hat man auch so genug Spaß beim Schauen, vor allem wenn Zatoichi mit einem gewitzten Kniff wieder einmal die schwerfälligen Yakuza überlistet. 

Der Film unterhält durchgehend mit einer Balance aus Humor, Action und Dramatik, die so leichtfüßig daherkommt, dass man stellenweise das Gefühl hat, man würde gerade eine Comicverfilmung sehen. Im Gegensatz dazu stehen die sentimental romantischen Momente zwischen unserer Hauptfigur und der von der chinesisch-stämmigen Schauspielerin Masayo Banri verkörperten Tane. Als Frau in einer Welt von raubeinigen Yakuza ist sie von Zatoichis sanften Gemüt angetan (oder vielmehr von Zatoichi als moralische Instanz).

Der Score von Godzilla-Komponist Akira Ifukube geht an bestimmten Stellen maßlos unter die Haut, auch wenn der Einsatz von dramatischer Musik nicht immer ganz richtig platziert ist. Die Schönheit der Musik reicht aber aus um einen auch das vergessen zu machen. Einige Stücke erinnern mich sogar an Morricones wenige Jahre später folgenden Score zu "Für eine Handvoll Dollar". 

Das feinfühlige Schauspiel von Katsu macht spätestens nach der finalen Szene des Films Lust auf mehr von Zatoichis Figur, und man ist verführt gleich den nächsten Film einzulegen. Katsu ist es wohl auch zu verdanken, dass Studio Daiei mit dem Film einen Volltreffer unter den Kinogängern Japans gelandet hat, von dem sich die Produzenten erst nicht viel erhofft hatten (vermutlich da der Film im Fahrwasser von Tohos "Yojimbo" gedreht wurde?). Zatoichis Figur, die ursprünglich nur am Rande einer Novelle des Schriftstellers Kan Shimozawa erwähnt wurde, war wohl Inspiration genug, damit Schauspieler Shintaro Katsu seiner Rolle eine vollwertige Seele verpassen konnte. Katsu hatte als Reaktion auf den großen Erfolg von "The Tale of Zatoichi", in Zusammenarbeit mit Studio Daiei, den Charakter des blinden Wanderers langwierig ausgearbeitet, bis die Kultfigur mit all seinen teils widersprüchlichen Eigenschaften erschaffen war.

Nach diesem sanften Einstieg in die Welt der Zatoichi-Reihe habe ich auf jeden Fall Blut geleckt und bin schon ganz heiß auf die restlichen 25 Filme.

Hier ein kleiner Auszug aus Akira Ifukubes grandiosem Score zur Filmreihe:

Sonntag, 7. Januar 2018

#JAPANUARY: Kairo {2001} & The Happiness of the Katakuris {2002}


Der Einstieg in den Japanuary wird von uns (Michael alt, Michael jung und ich) mit der geistigen Fortsetzung unserer Kiyoshi Kurosawa Reihe gefeiert, weshalb wir an erster Stelle über "Kairo" sprechen (hierzulande unter dem Name "Pulse" bekannt). Es ist mir eine riesige Freude endlich den vielleicht besten Film Kurosawas besprechen zu dürfen, der durch seine zerfahrene Handlung und einer fremdartigen Atmosphäre zum Brainstorming einlädt. Wer sich hier die Jumpscare-Geisterbahn im Sekundentakt erhofft kann gleich daheim bleiben. Alle anderen dürfen die beunruhigend langsamen Bilder und die wunderschöne Melancholie des Films in vollen Zügen genießen.

Danach geht es mit "The Happiness of the Katakuris" von Takashi Miike weiter. Das Remake von Kim Jee-woons "The Quiet Family" hat natürlich, typisch für Miike, seine ganz eigene Handschrift und läuft sicher Gefahr, das Japano-Schwachsinn Gütesiegel vom Großteil der Zuschauer aufgestempelt zu bekommen. Auf jeden Fall sind wir uns darin einig, dass das Potpourri aus Comedy, Musical, Familiendrama und einer Portion Stop-Motion Animation sehr unterhaltsam ist.

Schaut auch beim Kompendium des Unbehagens vorbei (http://komdehagens.podcaster.de/), um keinen Beitrag zum #Japanuary zu verpassen.

Wir wünschen viel Spaß!


Samstag, 28. Oktober 2017

A Tale of Two Sisters {2003} & Three Extremes {2004}


Zwei Schwestern + drei Kurzfilme = jede Menge asiatischer Grusel-Spaß. Für Menschen die Park Chan-Wooks "Die Taschendiebin" zumindest auf optischer Ebene was abgewinnen konnten sollten unbedingt mal in Kim Jee-woons Haunting-House-Horror-Drama "A Tale of Two Sisters" reinschauen. Schöner wirds nämlich kaum mehr.

Zum Zweiten sprechen wir über den Anthologiefilm "Three Extremes", bestehend aus den Segmenten "Dumplings"(Fruit Chan),"Cut"(Park Chan-Wook) und "Box"(Takashi Miike). Ersterer hat sogar die schönen Aufnahmen von Wong Kar-Wais Kameramann Christopher Doyle zu bieten, wobei die Entscheidung schwer fällt welcher der drei Kurzfilme am Ende des Tages am besten aussieht.

Viel Spaß mit dieser Episode, die unser persönliches Schlusslicht zum diesjährigen Horrorctober bildet.

 

Freitag, 13. Oktober 2017

The Brood {1979} & Mother! {2017}


Im Rahmen des von der CineCouch veranstalteten Horrorctobers sprechen Michael und ich über zwei Filme die thematisch nicht allzuviel gemein haben, sofern nicht gerade das Christkind oder der Gnom aus "Wenn die Gondeln Trauer tragen" den Muttermund verlässt.

Inwiefern Darren Aronofskys Film-Spektakel "Mother!" dem Horror Genre gerecht wird bleibt fragwürdig, die Einordnung ist aber relativ naheliegend.

Deutlich gruseliger wirds dann mit David Cronenbergs "Die Brut", in dem für die 70er typisches down-to-earth Schauspiel auf eine absurde Handlung trifft. Letzteres hört sich irgendwie recht negativ an, ist aber im positivsten Sinne gemeint.

Michael II unterstützt uns wie immer mit Wikipediaeinträgen und gibt sein Urteil über die Prämissen der Filme zum besten.

Packt euch ne Ladung Kürbiscremesuppe in die Schüssel und klickt auf den Play-Button! Viel Spaß.


Donnerstag, 28. September 2017

Polanski Special: Der Mieter {1976} & Bitter Moon {1992}



Roman Polanski: Als Regisseur geachtet, als Privatperson oftmals verhasst. Is uns aber völlig Wurscht! Es lag mir schon lange etwas daran über Polanskis eher vergessenes Filmwerk zu sprechen, in dem die düsteren Untertöne seiner letzten Filme noch deutlich greifbarer waren. 

Zum einen besprechen Michael und ich den abschließenden Teil der Apartment Trilogie "Der Mieter", welcher durch seine vielen Parallelen zu den geistigen Vorgängern "Ekel" und "Rosemaries Baby" meist als schwächster Teil der Reihe angesehen wird. 

Zum anderen ist klar, dass wenn irgendwo Polanskis Frau und Femme Fatale Emanuelle Seigner zu sehen ist, eine ordentliche Portion Sex nicht fehlen darf. Im perfiden Erotik-(Drama/Thriller ?) "Bitter Moon" durften wir ihr beim Lap Dance zusehen. 

Es floss auf jeden Fall viel Milch und Tränen, aber eine gehörige Portion Humor war auch vorhanden. Ob das nun wortwörtlich zu verstehen ist erfährst du im Podcast.

Viel Spaß mit diesem kleinen Vorgeschmack auf den bevorstehenden Horrorctober (Liebe Grüße an die CineCouch).